
Zwei Jahre wollten wir. Fünf Jahre Streit bekamen wir.

Über Fachbach, Macht, politische Verantwortung, Ungerechtigkeit und die Frage, was wir mit den Dingen machen, die wir nicht mehr rückgängig machen können
Ich habe lange überlegt, ob ich diese Geschichte irgendwann öffentlich erzählen möchte.
Heute denke ich: Warum eigentlich nicht?
Wir sprechen viel über Demokratie, Vertrauen, Gerechtigkeit, politische Verantwortung und darüber, dass Menschen sich engagieren sollen. Solange wir selbst nicht betroffen sind, bleiben das große Begriffe.
Interessant wird es in dem Moment, in dem aus einem Tagesordnungspunkt plötzlich dein Grundstück, dein Geld, deine Familie oder deine Zukunft wird.
Unsere Geschichte begann mit einem Grundstück in Fachbach.
Wir hatten es erworben, um dort zu bauen. Unser Vorhaben war längst mehr als eine Idee. Architekten waren beauftragt, Pläne erstellt, eine Genehmigung lag vor und wir hatten bereits investiert.
Dann kam das Leben dazwischen.
Komplizierter Baugrund. Corona. Explodierende Baukosten. Eine Risikoschwangerschaft und familiäre Umstände, die unsere damalige Situation erheblich verändert haben.
Wir wollten unsere Verpflichtung nicht loswerden.
Wir wollten bauen.
Wir brauchten schlicht mehr Zeit.
Wir baten um zwei Jahre.
Diese zwei Jahre bekamen wir nicht, obwohl im Kaufvertrag die Möglichkeit bestand.
Die Bauverpflichtung ist zu erfüllen! Nun gut, diese haben wir Bebauungsplankonform in Form eines Tiny House erfüllt. Jetzt haben wir nicht rechtzeitig erfüllt. Knappe 6 Monate zu spät!
Wir wurden von der Gemeinde Fachbach verklagt.
Das spätere Gerichtsverfahren führte schließlich zu einer Situation, die ich bis heute nur schwer nachvollziehen kann: Das von uns errichtete Bauwerk wurde nach unserer Lesart des Urteils als Gebäude anerkannt. Ausschlaggebend blieb dennoch eine zeitliche Verzögerung von ungefähr sechs Monaten.
Sechs Monate.
Während gleichzeitig nach der für uns maßgeblichen Regelung über eine Verlängerung von zwei Jahren hätte entschieden werden können.
Aus zwei Jahren, um die wir gebeten hatten, wurden so ungefähr fünf Jahre Auseinandersetzung.
Fünf Jahre mit Anwälten, Gerichte, Schreiben, Verwaltung, Zeit und Kosten auf beiden Seiten. Und mit einer emotionalen Belastung, die in keinem Haushaltsplan auftaucht.
Irgendwann schaut man zwangsläufig nach links und rechts.
Wie wird eigentlich woanders entschieden? Welche Möglichkeiten gibt es? Was passiert, wenn Menschen wirklich nach einer Lösung suchen?
Und genau dort wurde es für mich interessant.
Denn wir haben nach unserer Kenntnis in einer Nachbargemeinde erlebt, dass bei aus unserer Sicht vergleichbaren Umständen eine Verlängerung möglich war.
Und auch Fachbach selbst zeigt ganz konkret, dass kommunalpolitisch gestaltet und verändert werden kann. Der Bebauungsplan „Auf der Oberau“ wurde geändert. Der Satzungsbeschluss erfolgte 2024 (Unser Baugebiet - Nachbarn hatten massiv gegen den B-Plan verstoßen und der Vertrag hätte eigentlich vorgesehen, dass die Grundstücke wieder zurückgefordert werden. Nee, stattdessen wird der B-Plan zu deren Gunsten geändert). 2026 trat außerdem eine weitere Änderung des Bebauungsplans „Am Alten Postweg“ in Kraft.
Das ist für mich ein wichtiger Punkt.
Regeln sind also nicht immer unveränderbare Naturgesetze. Politik besitzt Gestaltungsmöglichkeiten.
Und genau deshalb bleibt für mich bis heute diese eine Frage:
Warum war eine Lösung bei uns nicht möglich?
Irgendwann wird aus einer Sachfrage eine Vertrauensfrage
Je länger sich unsere Geschichte hinzog und je mehr Entscheidungen und andere Vorgänge wir betrachteten, desto schwieriger wurde es für mich, all das nur noch als einen nüchternen Grundstücksvorgang zu betrachten.
Irgendwann beginnt man Fragen zu stellen.
Nach Verhältnismäßigkeit. Nach Gleichbehandlung. Nach Interessen. Nach Beziehungen. Und danach, wie professionell Menschen eigentlich mit der Macht umgehen, die ihnen übertragen wurde.
Denn dieses Bild lässt mich bis heute nicht los:
Da sitzt ein Mensch in einer Ratssitzung.
Vor ihm liegen Unterlagen. Es wird gesprochen, beraten, vielleicht diskutiert. Dann kommt die Abstimmung.
Die Hand geht hoch.
Wenig später fährt dieser Mensch nach Hause. Zu seiner Familie. Vielleicht sitzt er eine Stunde später beim Abendessen und am nächsten Morgen beginnt sein ganz normaler Alltag.
Für den Menschen auf der anderen Seite kann mit genau dieser Handbewegung etwas beginnen, das ihn Jahre seines Lebens begleitet.
Vielleicht geht es um ein Grundstück. Vielleicht um ein Unternehmen, eine berufliche Existenz, eine Baugenehmigung, einen Lebensplan oder eine Idee, in die jemand sein Erspartes und Jahre seiner Arbeit investiert hat.
Und deshalb frage ich mich heute sehr viel genauer:
Wer sitzt dort eigentlich und entscheidet?
Hat dieser Mensch wirklich verstanden, worüber er abstimmt? Kennt er die Konsequenzen? Hat er selbst kritisch nachgefragt oder hebt er seine Hand, weil alle anderen sie ebenfalls heben? Kann er widersprechen? Kann er sich unbeliebt machen? Kann er persönliche Sympathien, Antipathien und Beziehungen von seiner öffentlichen Aufgabe trennen?
Und vor allem: Kann er dieselbe Menschlichkeit für einen völlig fremden oder vielleicht unbequemen Menschen aufbringen wie für jemanden, mit dem er morgen wieder gemeinsam am Tisch sitzt?
Denn für mich ist eines inzwischen ziemlich klar:
Menschlichkeit darf keine Freundschaftsleistung sein.
Vitamin B ist privat eine Sache. In politischen Entscheidungen eine andere.
Natürlich bestehen Beziehungen.
Menschen empfehlen sich gegenseitig. Unternehmen arbeiten zusammen. Jemand vermittelt einen Auftrag, ein anderer mietet einen Saal, jemand bringt Kundschaft oder macht Werbung für einen Geschäftspartner.
Das ist Leben. Das ist Wirtschaft. Das sind Netzwerke.
Für mich verläuft aber eine sehr deutliche Grenze dort, wo private oder geschäftliche Beziehungen auf politische Entscheidungsmacht treffen.
Dann darf nicht irgendwann ein unausgesprochener Satz entstehen wie:
Du hast etwas bei mir gut.
Heute hilfst du mir, morgen helfe ich dir. Heute profitieren wir geschäftlich voneinander und morgen wird deine Angelegenheit vielleicht etwas wohlwollender betrachtet.
Genauso wenig darf derjenige schlechtere Karten haben, der nicht zum eigenen Kreis gehört, keinen persönlichen Vorteil bringt oder vielleicht sogar unangenehme Fragen stellt.
Es gibt dafür ein ziemlich treffendes Wort:
Geklüngel.
Und wenn aus Netzwerken irgendwann gegenseitige Gefälligkeiten bei öffentlichen Entscheidungen würden, wäre für mich eine Grenze überschritten.
Ich behaupte damit nicht, dass genau das die Erklärung für unsere Geschichte ist.
Aber ich sage inzwischen sehr deutlich:
Bürger dürfen danach fragen.
Wer kennt wen? Welche Interessen bestehen? Gibt es Interessenkonflikte? Wer profitiert von welchen Entscheidungen? Nach welchen Kriterien wurde entschieden? Und wären bei einem völlig fremden Menschen dieselben Maßstäbe angewendet worden?
Denn Gleichbehandlung darf kein Vitamin B benötigen.
Und Vertrauen entsteht für mich nicht dadurch, dass eine Institution sagt: Vertrau uns.
Vertrauen entsteht dann, wenn Entscheidungen so transparent und nachvollziehbar sind, dass persönliche Beziehungen gar nicht erst als mögliche Erklärung im Raum stehen.
Und dafür gibt es doch Kontrollinstanzen?
Natürlich.
Es gibt Gerichte, Gesetze, Kommunalaufsicht und unterschiedliche Zuständigkeiten.
In Rheinland-Pfalz unterliegen Kommunen staatlicher Aufsicht. Bei Orts- und Verbandsgemeinden wird die Kommunalaufsicht grundsätzlich durch die Kreisverwaltung wahrgenommen. Bei Selbstverwaltungsangelegenheiten handelt es sich dabei um Rechtsaufsicht.
Auf dem Papier existiert also Kontrolle.
Meine persönlichen Erfahrungen der vergangenen Jahre haben mein Vertrauen darin trotzdem deutlich verändert.
Denn zwischen
„Dafür gibt es eine zuständige Stelle“
und
„Da schaut tatsächlich jemand hin und etwas wird korrigiert“
kann für einen betroffenen Menschen eine ziemlich große Strecke liegen.
Und irgendwann fragt man nicht mehr nur: Wer kontrolliert?
Sondern:
Wer hinterfragt rechtzeitig?
Wer fragt nach der Verhältnismäßigkeit, bevor aus Monaten Jahre werden?
Wer betrachtet die Konsequenzen einer Entscheidung?
Wer schaut darauf, ob Menschen tatsächlich nach nachvollziehbaren und vergleichbaren Maßstäben behandelt werden?
Und wer besitzt innerhalb eines Systems den Mut zu sagen:
Moment. Nur weil wir etwas tun können, bedeutet das noch lange nicht, dass wir es tun sollten.
Fünf Jahre später gibt es ein Urteil. Und trotzdem keinen Schlusspunkt.
Vielleicht ist genau das der Teil unserer Geschichte, den ich inzwischen am wenigsten verstehe.
Die Gemeinde wollte das Grundstück zurück.
Darüber wurde jahrelang gestritten.
Mittlerweile gibt es ein rechtskräftiges Urteil.
Wir akzeptieren, dass das Grundstück zurückübertragen werden soll, und haben die notwendigen Schritte dafür eingeleitet.
Eigentlich könnte man meinen:
Damit ist irgendwann Schluss.
Ist es aber nicht.
Denn nun geht es weiter: Die Gemeinde Fachbach verlangt mehr, als was sie selbst mit dem Urteil erwirkt hat!?
Und irgendwann bleibt einem bei aller Ernsthaftigkeit nur noch die Frage:
Sollen wir beispielsweise unser dahinterliegendes Grundstück anschließend mit dem Hubschrauber erreichen? Es ist ausschlieslich über das vordere, welches die Gemeinde zurück haben möchte, erreichbar.
Gleichzeitig sprechen wir heute über ein voll erschlossenes Grundstück, während bei der Rückabwicklung wirtschaftlich ein Zustand zugrunde gelegt werden soll, der diesen heutigen Erschließungszustand nicht entsprechend berücksichtigt. Wir haben das Grundstück von der Gemeinde nur teilerschlossen erworben, was vertraglich auch anders vereinbart war. Diesen erheblichen Mehrwert will die Gemeinde Fachbach auch nicht erstatten.
Und genau an diesem Punkt verstehe ich es schlicht nicht mehr.
Die Gemeinde wollte das Grundstück.
Es gibt ein Urteil.
Wir sind bereit, es zurückzuübertragen und haben notariell alles in die Wege geleitet.
Wollt ihr es jetzt oder wollt ihr den Konflikt?
Denn wenn nach fünf Jahren weitere Bedingungen im Raum stehen, Rechte verschwinden sollen und Dinge verlangt werden, die nicht einfach einseitig aus der Welt geschafft werden können, dann darf irgendwann auch eine andere Frage gestellt werden:
Geht es eigentlich noch um die Sache? Ging es jemals um die Sache?
Oder hat sich aus einer Sachentscheidung irgendwann etwas entwickelt, bei dem Fragen nach persönlichen Ebenen, Ambitionen, Macht oder anderen Interessen zumindest im Raum stehen?
Ich kenne die Motive anderer Menschen nicht.
Aber ich darf sagen:
Ich verstehe die Verhältnismäßigkeit irgendwann nicht mehr.
Und manchmal ist vielleicht genau das der Moment, an dem Dinge ausgesprochen werden müssen.
Macht ist nicht dasselbe wie Verantwortung
Vielleicht ist das überhaupt einer meiner größten Lernprozesse aus dieser Geschichte.
Macht bedeutet zunächst einmal, etwas entscheiden zu können.
Verantwortung zeigt sich darin, wie man mit dieser Möglichkeit umgeht.
Und vielleicht sollten wir als Bürger viel genauer hinsehen, wem wir diese Möglichkeit geben.
Denn wir sind keine bloßen Zuschauer.
Wir sind ( angeblich) eine intelligente Spezies. Wir können Zusammenhänge erkennen, Entwicklungen über Jahre beobachten, Ursachen hinterfragen und Konsequenzen miteinander verbinden.
Vielleicht sollten wir diese Fähigkeit auch häufiger nutzen.
Wenn Menschen über Jahre unzufrieden sind, wenn sie erleben, dass vieles teurer wird, Verfahren immer komplizierter erscheinen und gleichzeitig das Gefühl wächst, dass sich Wesentliches nicht verbessert, dann reicht es irgendwann nicht mehr, nur darüber zu schimpfen.
Dann gehört für mich auch die unbequeme Frage dazu:
Wem übertragen wir eigentlich Verantwortung und was geschieht anschließend mit dieser Verantwortung?
Vielleicht müssen wir tiefer schauen
Das ist für mich inzwischen der interessantere Blick auf Politik.
Nicht nur: Wer ist sympathisch?
Wer richtet ein schönes Fest aus?
Wer kennt wen?
Wer ist schon immer da gewesen?
Wer gehört zum richtigen Kreis?
Sondern:
Was hat dieser Mensch tatsächlich bewirkt?
Was wurde besser?
Welche Probleme wurden gelöst?
Wo wurde etwas vereinfacht?
Wo wurden unnötige Kosten vermieden?
Wo hat jemand kritisch hinterfragt, obwohl es unbequem war?
Und wo wurde Verantwortung übernommen, wenn eine Entscheidung eben nicht gut war?
Denn manches, was politisch oder verwaltungstechnisch nach außen ungeheuer kompliziert erscheint, ist am Ende vielleicht manchmal weniger kompliziert, als wir glauben.
Ich habe durch meinen Mann erlebt, dass Dinge, über die lange gesprochen wurde und bei denen angeblich kaum etwas möglich war, plötzlich möglich wurden, wenn jemand angefangen hat, Kontakte herzustellen, nachzufragen, zu recherchieren, Zuständigkeiten zu verfolgen und nicht nach dem dritten „Das geht nicht“ aufgegeben hat.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes Problem einfach zu lösen wäre.
Aber es hat mir eine Sache gezeigt:
Zwischen „Es geht nicht“ und „Wir haben wirklich alles versucht“ kann eine ganze Welt liegen.
Ein Amt ist für mich kein Platzhalter
Mein Mann ist kein Bürgermeister. Er sitzt in keinem Gemeinderat und besitzt kein politisches Mandat.
Trotzdem hat er sich in den vergangenen Jahren ehrenamtlich für unsere Region eingesetzt, sich für Schulen engagiert, Kontakte hergestellt, Projekte angestoßen und Spendengelder für Fitnessgeräte organisiert. Ideen wurden weitergetragen und Dinge konnten tatsächlich umgesetzt werden.
Er hat mit Behörden telefoniert, recherchiert, Zuständigkeiten verfolgt und sich tief in Sachverhalte eingearbeitet.
Und ich habe erlebt, dass Dinge, über die lange gesprochen wurde und bei denen angeblich wenig möglich war, plötzlich doch möglich werden konnten, wenn jemand bereit war, wirklich dranzubleiben.
Das hat meinen Maßstab verändert.
Denn wenn jemand ohne Amt, Mandat oder Machtposition etwas für seine Region bewegen kann, dann frage ich mich umso mehr:
Was könnten Menschen bewegen, denen wir diese Gestaltungsmöglichkeiten ausdrücklich übertragen haben?
Für mich ist ein politisches Amt deshalb keine Trophäe.
Es ist ein Auftrag.
Ich erwarte nicht, dass ein Ratsmitglied jedes Gesetz auswendig kennt oder dass ein Bürgermeister jedes Problem persönlich lösen kann.
Aber ich erwarte, dass Menschen wissen wollen, worüber sie entscheiden.
Dass sie nachfragen.
Dass sie sich informieren.
Dass sie Konsequenzen bedenken.
Dass sie bereit sind, sich mit ihrer Haltung auch einmal unbeliebt zu machen.
Und dass sie nicht einfach einen Platz warmhalten und im richtigen Moment die Hand heben.
Denn am anderen Ende dieser Hand sitzen Menschen.
Und Fehlentscheidungen verschwinden nicht einfach
Das ist vielleicht einer der Punkte, die wir im Alltag am wenigsten sehen.
Wenn eine öffentliche Entscheidung Kosten verursacht, liegt die Rechnung nicht irgendwann privat auf dem Küchentisch desjenigen, der dafür gestimmt hat.
Sie wird Teil öffentlicher Haushalte und damit der finanziellen Möglichkeiten einer Gemeinschaft.
Kommunen finanzieren ihre Aufgaben aus unterschiedlichen Quellen, darunter eigene Steuern, Gemeindeanteile an Gemeinschaftsteuern, Gebühren und Beiträge sowie Zuweisungen des Landes.
Öffentliches Geld ist deshalb für mich nicht das Geld von niemandem.
Es ist Geld einer Gemeinschaft.
Geld, mit dem Schulen, Straßen und Infrastruktur finanziert, Kinder und Familien unterstützt, Kultur, Sport und soziale Angebote ermöglicht und Orte weiterentwickelt werden.
Und genau deshalb sehe ich Steuern inzwischen auch als eine Form von Vertrauen.
Wir geben einen Teil dessen, was wir erwirtschaften, in die Hände unserer Gemeinschaft und ihrer Institutionen.
Dann dürfen wir aber auch fragen, wie damit umgegangen wird.
Bei unserer eigenen Geschichte lautet eine dieser Fragen:
Musste aus der Bitte um zwei Jahre wirklich ein Konflikt von ungefähr fünf Jahren werden?
War das verhältnismäßig?
Wurden vernünftige Alternativen ernsthaft geprüft?
Welche Folgen hatte die Entscheidung?
Und würde man manche Auseinandersetzung genauso lange führen, wenn die dadurch entstehenden Kosten anschließend persönlich auf dem eigenen Konto auftauchten?
Vielleicht sehen wir manches erst, wenn wir selbst betroffen sind
Und genau hier müssen wir uns vielleicht auch selbst an die Nase fassen.
Es ist leicht, sich über steigende Kosten, Behörden, Politik oder Entscheidungen aufzuregen.
Aber schauen wir wirklich tiefer?
Interessieren wir uns dafür, was Menschen zwischen zwei Wahlterminen tatsächlich tun?
Oder sehen wir das schöne Fest, das freundliche Foto, die persönliche Bekanntschaft und denken:
Passt schon. Sieht nett aus.
Vielleicht wählen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen. Das ist ihre Entscheidung.
Aber für mich reicht ein sympathisches Gesicht nicht. Ich kann jemand mögen, muss ihn aber nicht deshalb kompetent genug für eine bestimmte Position sehen.
Wieviele Freunde und Club-Kollegen( Vereinsmitglieder)im Rücken derjenige hat interessiert mich nicht.
Ein Versprechen reicht mir nicht. Schlüsselanhänger und andere Werbegeschenke benötige ich nicht.
Mich interessiert:
Was tut ein Mensch tatsächlich, wenn er entscheiden darf?
Was bewirkt er? Kann er das überhaupt?
Wie geht er mit Macht um?
Wie geht er mit Menschen um, die ihm widersprechen?
Kann er Beziehungen und Amt voneinander trennen?
Kann er Fehler erkennen?
Kann er sagen: Das haben wir falsch eingeschätzt?
Und kann er Verantwortung übernehmen, wenn eine Entscheidung Konsequenzen für andere Menschen hat? Oder legt er einfach entstandene Kosten auf die Bürger um?
Vielleicht müssen wir auch aufhören, politische Verantwortung mit persönlicher Nähe zu verwechseln.
Der Ursprung einer funktionierenden Gemeinschaft kann für mich nicht sein:
Ich kenne jemanden , also komme ich weiter.
Sondern:
Ich bin Bürger und deshalb werde ich nach denselben Maßstäben behandelt wie jeder andere auch.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich Wahlen heute anders sehe
Mein Verhältnis zu Wahlen und Politik hat sich durch verschiedene Erfahrungen der letzten Jahre verändert.
Wir übertragen mit einer Wahl Gestaltungsmacht.
Und wer durch das Vertrauen anderer Menschen eine politische Position erhält, übernimmt damit für mich eine Verantwortung gegenüber genau diesen Menschen.
Vielleicht kann ich deshalb inzwischen auch nachvollziehen, warum Menschen Vertrauen in die Politik verlieren und den Sinn von Wahlen hinterfragen.
Bis hierhin könnte dieser Beitrag eine politische Abrechnung sein.
Aber dafür wäre mir unsere Geschichte inzwischen zu schade.
Denn die viel größere Frage lautet:
Was machen wir mit einer Ungerechtigkeit, nachdem sie passiert ist?
Fast jeder Mensch trägt Erfahrungen in sich, die er als unfair empfindet. Vielleicht geht es nicht um ein Grundstück oder einen Gerichtsprozess, sondern um eine berufliche Entscheidung, eine zerbrochene Beziehung, eine Freundschaft, einen finanziellen Verlust oder den Verlust eines Menschen.
Manches verändert unser Leben für immer. Anderes ist materiell ersetzbar und hinterlässt trotzdem Spuren, weil wir nicht nur eine Sache verlieren, sondern vielleicht auch einen Plan, Erinnerungen, Vertrauen oder eine Vorstellung davon, wie unser Leben einmal aussehen sollte.
Natürlich dürfen wir wütend und enttäuscht sein. Wir dürfen uns wehren, Dinge klären und Grenzen setzen.
Aber irgendwann stellt sich eine andere Frage:
Wie viel Raum soll diese Erfahrung in meinem weiteren Leben bekommen?
Ich kann überzeugt sein, dass etwas falsch war, ohne jeden Tag innerlich dorthin zurückzukehren. Ich kann mich juristisch wehren und trotzdem leben. Ich kann eine Forderung zurückweisen und gleichzeitig mit meinen Kindern lachen, mein Unternehmen weiterentwickeln, neue Menschen kennenlernen und neue Pläne machen.
Denn manchmal verbrauchen wir uns an einer Sache. Wir beschäftigen uns so lange mit ihr, kämpfen, erklären, beweisen und hoffen auf Gerechtigkeit, bis wir kaum noch merken, dass wir nicht mehr wirklich leben sondern dass nur noch diese eine Angelegenheit in uns lebt.
Und manchmal ist genau das der größere Verlust.
Das bedeutet nicht, dass es sich nicht lohnt, für etwas einzustehen. Manchmal lohnt es sich sehr, sich durchzubeißen, dranzubleiben und für das eigene Recht oder für andere Menschen zu kämpfen. Manchmal ist es richtig, nicht einfach nachzugeben.
Aber wir müssen immer wieder prüfen:
Kämpfe ich noch für etwas, das mir wichtig ist oder verbrauche ich mich nur noch an dem, was geschehen ist?
Vielleicht ist genau das für mich heute Loslassen:
Nicht vergessen.
Nicht schönreden.
Nicht so tun, als wäre plötzlich alles in Ordnung.
Sondern selbst zu entscheiden, wie viel Lebensenergie ich einer Erfahrung noch geben möchte.
Und wenn du merkst, dass bestimmte Prozesse oder Ungerechtigkeiten immer mehr Raum einnehmen und zu viel deiner Lebenszeit und Energie binden, kann sich ein Blick nach innen lohnen. Genau dort setzt auch meine energetische Arbeit an.
Dabei geht es nicht darum, etwas wegzumachen, die Realität einer Ungerechtigkeit zu leugnen oder so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Wir schauen vielmehr etwas tiefer: Was wirkt noch in dir weiter? Was hält dich innerlich gebunden? Und was könnte dir helfen, deinen Alltag wieder leichter zu erleben, ohne das Geschehene kleinzureden?
Als spirituell und energetisch arbeitender Mensch frage ich mich natürlich auch, ob manche Erfahrungen in größere Zusammenhänge eingebettet sind. Ob sie uns manchmal auf Wege führen, die wir freiwillig niemals gewählt hätten.
Ich lasse diese Möglichkeit offen.
Aber ich möchte Leid nicht spirituell übermalen. Nicht alles ist Karma. Nicht jeder Verlust braucht einen höheren Sinn. Und nicht jede Ungerechtigkeit muss irgendwann „für etwas gut gewesen sein“.
Vielleicht müssen wir manche Dinge gar nicht vollständig verstehen.
Vielleicht dürfen wir irgendwann den Blick wieder nach vorne richten und uns fragen:
Was kann mein Leben von hier aus erfüllen? Welcher Weg ist jetzt möglich? Und wie kann ich weitergehen, ohne das Geschehene zu verleugnen, aber auch ohne ihm mehr Raum zu geben, als ich möchte?
Denn wir bestimmen mit, welche Bedeutung eine Erfahrung in unserer Lebensgeschichte bekommt.
Manche Verluste werden immer einen großen Platz in uns haben. Gerade der Verlust eines Menschen lässt sich nicht einfach kleiner machen.
Aber anderes darf sich verändern.
Vielleicht führt ein Weg irgendwann an einen anderen Ort, zu anderen Menschen oder in andere Netzwerke. Vielleicht verändern sich unsere Vorstellungen davon, wo wir leben, mit wem wir unsere Zeit verbringen und wofür wir unsere Kraft einsetzen möchten.
Eine neue Tür macht eine alte Ungerechtigkeit nicht gerecht.
Aber sie kann verändern, welchen Platz diese Ungerechtigkeit in unserem weiteren Leben einnimmt.
Die Sache mit Fachbach gehört zu unserer Geschichte. Der Rechtsstreit, die Wut, die Enttäuschung und die offenen Fragen gehören dazu. Ebenso mein veränderter Blick auf Politik, Macht, Menschen und öffentliche Verantwortung.
Aber diese fünf Jahre waren nicht unser ganzes Leben.
Wir haben in dieser Zeit gearbeitet, ein Unternehmen gegründet, unsere Kinder begleitet, die Coronazeit überstanden, Dinge aufgebaut, Menschen kennengelernt und andere verloren, Beziehungen beendet, an uns gearbeitet, uns verändert, uns für andere eingesetzt und neue Pläne gemacht.
Vielleicht werden manche dieser Pläne irgendwann an einem anderen Ort stattfinden.
Wer weiß.
Ich brauche heute nicht mehr für alles eine Erklärung und nicht für jede Erfahrung einen höheren Sinn.
Mir reicht eine Erkenntnis:
Ich möchte selbst entscheiden, wohin meine Energie von hier aus fließt.
Was geschehen ist, kann ich nicht mehr verändern. Aber ich kann entscheiden, wie viel Raum es in dem Leben bekommt, das noch vor mir liegt.
Manchmal bedeutet das Loslassen. Manchmal bedeutet es, weiterzukämpfen. Und manchmal bedeutet es, mit dem zu leben, was gerade ist, ohne sich davon bestimmen zu lassen.
Eine Ungerechtigkeit darf Teil meiner Geschichte sein, ohne meine Identität zu werden.
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