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Wie ist das eigentlich für dich, wenn Teilnehmerinnen plötzlich selbst ähnliche Räume eröffnen?

Autorenbild: Anna Faddoul
Anna Faddoul
vor 16 Stunden
7 Min. Lesezeit

Über Konkurrenz, Inspiration und den Wert der eigenen Handschrift


Diese Frage wurde mir vor einiger Zeit gestellt.


Und ich fand sie spannend, weil die ehrliche Antwort darauf nicht einfach nur „schön“ oder „schwierig“ lautet.


In den vergangenen Jahren habe ich tatsächlich mehrfach erlebt, dass Frauen meine Räume besucht haben und sich anschließend selbst auf den Weg gemacht haben. Manche begannen Ausbildungen, andere entdeckten neue berufliche Bereiche für sich, wieder andere eröffneten irgendwann eigene Räume oder entwickelten ähnliche Angebote.


Als es das erste Mal passierte, habe ich dem gar nicht so viel Bedeutung beigemessen. Als es sich wiederholte, begann ich darüber nachzudenken.


Denn natürlich entsteht damit auch Konkurrenz.


Und obwohl gerade in der Yoga-, Coaching- und spirituellen Welt gerne gesagt wird, es sei genug Raum für alle da und wir sollten uns gegenseitig unterstützen, finde ich, dass wir auch hier ehrlich bleiben dürfen.


Man kann einem anderen Menschen seinen Erfolg von Herzen gönnen und trotzdem wahrnehmen, dass sich zwei Angebote wirtschaftlich überschneiden.


Gerade wenn man selbst noch dabei ist, ein Unternehmen aufzubauen, einen Kundenkreis zu entwickeln und Menschen für die eigene Arbeit zu erreichen, ist das keine rein theoretische Frage.


YUJ ist meine vollständige Selbstständigkeit. Entsprechend nehme ich natürlich wahr, was sich in meinem Umfeld entwickelt.


Und ja: Wenn in einer überschaubaren Region innerhalb einer ohnehin eher kleinen Nische ähnliche Angebote entstehen, löst das nicht automatisch Begeisterung aus.


Ich finde, auch das darf man sagen.


Nicht jede ehrliche Emotion braucht sofort eine spirituelle Korrektur


Gerade in spirituellen Räumen begegnen uns wunderschöne Gedanken über Fülle, Vertrauen, Loslassen und gegenseitige Unterstützung.


Ich glaube an vieles davon.


Aber ich glaube ebenso an Authentizität.


Und Authentizität bedeutet für mich nicht, auf jede menschliche Reaktion sofort eine vermeintlich höhere, spirituellere Antwort legen zu müssen.


Manchmal dürfen wir zunächst wahrnehmen, was tatsächlich da ist.


Und dann schauen, was wir daraus machen.


Genau das habe ich getan.


Denn die spannendere Entwicklung begann für mich eigentlich erst danach.


Die Situation hat meinen Blick zurück auf YUJ gelenkt


Plötzlich erinnerte ich mich wieder sehr an meine Anfangszeit.


Ich habe YUJ nicht aus einem großen persönlichen Netzwerk heraus aufgebaut. Ich musste Menschen erreichen, die mich vorher nicht kannten und keinerlei persönlichen Grund hatten, meine Arbeit zu unterstützen.


Ich erinnere mich bis heute an meine erste Anmeldung und an dieses Gefühl:


Da kommt tatsächlich jemand.


Seitdem ist unglaublich viel gewachsen.


Nicht nur mein Teilnehmerkreis, sondern vor allem meine Arbeit selbst.


Mein physiotherapeutisches Wissen verbindet sich heute mit Yoga, Breathwork, Embodiment, Meditation, Coaching und energetischer Arbeit. Dazu kamen Weiterbildungen, Erfahrungen, mein eigener Lebensweg und all das, was ich in den vergangenen Jahren durch die Begleitung unterschiedlichster Menschen lernen durfte.


Und als ich mich in den letzten Wochen noch einmal intensiver mit der Frage beschäftigt habe, was YUJ heute eigentlich ausmacht, wurde mir etwas bewusst:


Vielleicht liegt die Antwort weniger darin, was ich anbiete, als darin, warum ich es überhaupt anbiete.


Warum ich diese Räume überhaupt geschaffen habe


Mein eigener Lebensweg war nicht immer leicht und ganz sicher nicht immer rosig.


Ich kenne Krisen, schwierige Erfahrungen und Zeiten, in denen man selbst nach Antworten sucht. Und ich habe über viele Jahre erlebt, gelernt, gelesen, recherchiert und ausprobiert, was mir persönlich geholfen hat, wieder mehr bei mir anzukommen, Dinge anders zu betrachten, ruhiger zu werden, Zusammenhänge zu verstehen und meinen eigenen Weg klarer zu sehen.


Irgendwann entstand daraus der Wunsch, genau dafür auch anderen Menschen Räume zu öffnen.


Nicht, um ihnen zu sagen, wie sie ihr Leben führen sollen.


Sondern um einen professionellen und gleichzeitig menschlichen Rahmen zu schaffen, in dem sie selbst erfahren, wahrnehmen, reflektieren und vielleicht etwas verändern können.


Ich liebe es, Menschen wieder strahlen zu sehen.


Wenn jemand nach einer Yogastunde sichtbar entspannter den Raum verlässt.


Wenn jemand sagt, dass er endlich einmal wieder richtig bei sich angekommen ist.


Wenn ein Mensch neue Kraft getankt hat, um zurück in seinen Alltag zu gehen.


Wenn in einem intensiveren Prozess plötzlich etwas verstanden wird, das vorher lange festsaß.


Wenn mehr Klarheit entsteht.


Mehr Vertrauen.


Mehr Ruhe.


Oder einfach dieses schwer zu beschreibende Gefühl von: Hier durfte ich für einen Moment wirklich sein.


Getragen. Willkommen. Wertgeschätzt.


Vielleicht manchmal sogar ein kleines Stück mehr zu Hause bei sich selbst.


Genau solche Rückmeldungen meiner Teilnehmer und Klienten haben mir über die Jahre immer deutlicher gezeigt, warum mir diese Arbeit so viel bedeutet.


Und genau das möchte ich mit YUJ schaffen.


Räume, in denen Menschen auftanken können.


Räume, die berühren dürfen.


Räume, in denen auch tiefere Themen ihren Platz haben können.


Und Erfahrungen, deren Wirkung vielleicht nicht an der Tür endet, sondern noch ein Stück mit in das eigene Leben genommen wird.


Dabei war mir von Anfang an etwas besonders wichtig:


Es soll keine Rolle spielen, ob ich jemanden seit zehn Jahren kenne oder ob dieser Mensch zum ersten Mal durch meine Tür kommt.


Jeder soll sich willkommen fühlen.


Gesehen.


Respektiert.


Und mit derselben Sorgfalt begleitet.


Vielleicht ist auch das ein Teil meiner Vorstellung von Professionalität.


Und vielleicht ist genau das die Handschrift


Natürlich spielt auch das Drumherum eine Rolle.


Ich liebe schöne Räume und besondere Atmosphäre. Ich mache mir Gedanken über Inhalte, Abläufe, Musik, Materialien und kleine Details. Mein Werkzeugkoffer ist über die Jahre immer größer geworden, fachlich, körperorientiert, energetisch und methodisch.


Aber all das ist für mich kein Selbstzweck.


Es dient dem Erlebnis, das in diesem Raum entstehen darf.


Und vielleicht erklärt das auch eine Rückmeldung, die mich inzwischen besonders berührt.


Menschen beschreiben immer wieder eine besondere Energie in meinen Räumen.


Manche kennen YUJ schon lange. Andere kommen zum ersten Mal. Manche reisen inzwischen sogar von weiter weg an.


Natürlich lässt sich einiges davon erklären: Atmosphäre, Vorbereitung, Aufmerksamkeit, Erfahrung, Gruppenprozesse, Körperarbeit, Atem, Regulation.


Und vielleicht gibt es auch Dinge, die sich nicht vollständig erklären lassen müssen.


Für mich zählt am Ende vor allem, was Menschen dort erfahren.


Und vielleicht ist genau daraus über die Jahre meine Handschrift entstanden.


Nicht aus einer einzelnen Methode.


Sondern aus allem, was zusammenkommt und aus der Intention dahinter.


Inspiration ist wunderbar. Aber sie ist kein fertiges Konzept.


Wir alle lassen uns inspirieren.


Von Menschen. Von Büchern. Von Ausbildungen. Von Reisen. Von Räumen, in denen wir selbst einmal gesessen haben. Von Gesprächen, Musik, Ritualen oder einer Idee, die plötzlich etwas in uns auslöst.


Auch meine Arbeit ist nicht im luftleeren Raum entstanden.


Aber für mich beginnt die eigentliche kreative Arbeit danach.


Was mache ich daraus? Was entspricht mir wirklich? Was passt zu meinem Wissen, meinen Erfahrungen und meiner Persönlichkeit? Und welche eigenen Ideen entstehen daraus?


Denn Inspiration ist wunderbar. Aber irgendwann darf etwas Eigenes daraus entstehen.


Wenn wir alle nur den Raum weitergeben, den wir selbst irgendwo erlebt haben, hätten wir am Ende kein vielfältiges Angebot, sondern ein ziemlich großes Franchise. 😉


Und genau deshalb wünsche ich jedem Menschen, der beginnt, eigene Räume zu öffnen, vor allem eines:


eine eigene Handschrift.


Eine, die mit der Zeit wächst, sich verändert, Erfahrungen aufnimmt und bei der irgendwann spürbar wird:


Das ist wirklich meins.


Und auch ich muss nicht immer Inspiration sein


Das war für mich vielleicht eine der wichtigeren Erkenntnisse.


Ich teile gerne.


Wissen, Gedanken, Erfahrungen, Ideen und vieles von dem, was mich selbst begeistert.


Aber ich habe auch gelernt, dass Offenheit nicht bedeutet, dass alles automatisch zur Verfügung stehen muss.


Welche Musik verwendest du?


Welchen Kakao nimmst du?


Wo kaufst du deine Materialien?


Wie hast du dieses Konzept entwickelt?


Wo hast du das gelernt?


Kann ich einmal zuschauen?


Wie genau machst du das?


Vieles davon teile ich gerne.


Und manchmal eben nicht.


Auch das darf sein.


Denn hinter einer Arbeit stehen irgendwann nicht nur Methoden, sondern Jahre des Lernens, Entwickelns, Ausprobierens, Verwerfens, Beobachtens und eigene Ideen.


Heute entscheide ich bewusster, was ich teile und was bei mir bleiben darf.


Das empfinde ich nicht als mangelnde Großzügigkeit.


Ich empfinde es als Wertschätzung gegenüber meiner eigenen Arbeit.


Und was ist nun mit „Women support women“?


Auch diesen Satz sehe ich heute etwas differenzierter.


Ich mag den Gedanken dahinter sehr.


Frauen dürfen sich unterstützen. Sich Mut machen. Sich Möglichkeiten eröffnen und sich gegenseitig Erfolg gönnen.


Aber für mich gehören zu echtem Support auch Achtsamkeit und Respekt.


Wenn mich die Arbeit einer anderen Frau inspiriert, bedeutet das für mich nicht automatisch: Das gefällt mir, also übernehme ich es für mein eigenes Angebot.


Gerade wenn man sich persönlich kennt, Räume des anderen besucht oder Einblicke in dessen Arbeit bekommen hat, finde ich Kommunikation umso wertvoller.


Manchmal kann ein einziges Gespräch einen großen Unterschied machen.


Nicht, weil irgendjemand um Erlaubnis bitten müsste, seinen eigenen beruflichen Weg zu gehen.


Sondern weil ein respektvolles Miteinander für mich auch bedeutet, wahrzunehmen, woher eine Inspiration gekommen ist und wie nah ich mich damit an die Arbeit eines anderen Menschen bewege.


Das ist meine persönliche Haltung dazu.


Und deshalb bedeutet „Women support women“ für mich auch nicht, dass ich jedes ähnliche Angebot aktiv in meiner eigenen Community bewerben muss.


Wohlwollen ist nicht dasselbe wie Weiterempfehlung.


Ich kann jemandem Erfolg wünschen, ihre Arbeit respektieren und mich ehrlich freuen, wenn sie ihren Weg findet und gleichzeitig Verantwortung für mein eigenes Unternehmen übernehmen.


Wir müssen nicht gegeneinander sein, um Mitbewerberinnen zu sein.


Vielleicht ist genau das für mich eine erwachsene Form von Unterstützung:


Fair bleiben. Respektvoll miteinander umgehen. Grenzen achten. Dem anderen seinen Erfolg gönnen. Und gleichzeitig Verantwortung für das übernehmen, was man selbst aufgebaut hat.


Vielleicht war genau das die eigentliche Erkenntnis


Heute kann ich nämlich auch die andere Seite dieser Entwicklung sehen.


Wenn Menschen meine Räume besuchen und anschließend selbst beginnen, sich intensiver mit Yoga, Breathwork, Spiritualität oder persönlicher Entwicklung zu beschäftigen, eine Ausbildung beginnen oder einen neuen beruflichen Weg einschlagen, dann bedeutet das möglicherweise auch:


Etwas hat sie berührt. Etwas hat sie inspiriert. Etwas ist in Bewegung gekommen.


Und darüber kann ich mich freuen.


Vielleicht habe ich manchmal mehr angestoßen, als mir selbst bewusst war.


Gleichzeitig hat mich diese Entwicklung noch einmal daran erinnert, was ich mit YUJ bewahren möchte.


Nicht ein bestimmtes Event.


Nicht ein bestimmtes Format.


Sondern die Idee dahinter.


Professionelle, besondere Räume zu schaffen, in denen Menschen sich willkommen fühlen, auftanken, sich selbst begegnen und, wenn sie möchten, auch tiefer gehen können.


Wie diese Räume in einigen Jahren aussehen werden?


Das weiß ich selbst noch nicht.


Vielleicht entstehen neue Formate.


Vielleicht andere Orte.


Vielleicht digitale Räume.


Vielleicht Kooperationen mit Menschen, deren Arbeit, Werte und eigene Handschrift zu YUJ passen.


Denn auch die YUJ Academy sollte für mich nie nur mein Raum sein, sondern grundsätzlich auch ein Ort, an dem wertvolle Impulse und unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen können.


Nur eines ist mir dabei heute wichtiger als früher:


Es muss stimmig sein.


Menschlich.


Inhaltlich.


In den Werten.


Und in der jeweiligen eigenen Handschrift.


Denn trotz allem, was eine vollständige Selbstständigkeit mit sich bringt, empfinde ich es bis heute als unglaublich wertvoll, solche Räume erhalten und weiterentwickeln zu dürfen.


Und vielleicht schätze ich das gerade jetzt noch einmal mehr.


Wenn Menschen einen weiteren Weg auf sich nehmen, um einen meiner Räume zu besuchen.


Wenn jemand YUJ entdeckt, obwohl wir uns vorher überhaupt nicht kannten.


Wenn Menschen wiederkommen.


Oder wenn mir jemand erzählt, was sich seit einer gemeinsamen Erfahrung für ihn verändert hat.


Dann denke ich manchmal wieder an meine allererste Anmeldung zurück:


Da kommt tatsächlich jemand.


Nur dass ich heute etwas besser verstehe, warum.


Und gleichzeitig bin ich neugieriger denn je darauf, wohin dieser Weg noch führt.

 
 
 

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