Und was macht Breathwork nun wirklich mit dir? (Teil 2)
- Anna Faddoul
- 5. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Ich könnte dir an dieser Stelle noch viel darüber erzählen, was Breathwork bewirken kann.
Über Stressregulation. Über emotionale Entlastung. Über eine positivere und stabilere Stimmung, mehr innere Ruhe, Klarheit und neue Kraft. Über ein tieferes Körpergefühl, mehr Selbstvertrauen und den Mut, neue Schritte im Leben zu gehen.
Doch die Wahrheit ist: Wie Breathwork auf dich wirkt, ist ganz individuell.
Denn du atmest nicht nur Luft.
Du atmest Energie.
Und im Breathwork bringen wir diese Energie in Bewegung.
Mit dem verbundenen Atem entsteht eine intensive Dynamik im Körper. Die Energie beginnt zu fließen, sich auszubreiten und ihren ganz eigenen Weg zu nehmen. Viele erleben es so, als würde der Atem genau jene Bereiche berühren, in denen etwas festgehalten, zurückgehalten oder blockiert ist.
Der Atem bewegt.
Er öffnet.
Er macht sichtbar.
Und manchmal beginnt genau dort etwas in Bewegung zu kommen, wo wir mit unserem Denken allein nicht weitergekommen sind.
Ich kann dir viel darüber erzählen, was Breathwork mit einem Menschen machen kann. Aber die vielleicht spannendsten Antworten geben die Menschen, die immer wiederkommen.
Viele meiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschreiben Breathwork als lebensverändernd.
Sie berichten mir von Veränderungen, die weit über den Moment einer einzelnen Session hinausreichen.
Von mehr innerer Ruhe im Alltag.
Von weniger Nervosität.
Von einer stabileren und positiveren Stimmung.
Von mehr Klarheit und Entschlossenheit.
Von einem stärkeren Gefühl, bei sich selbst zu sein.
Von wachsendem Selbstbewusstsein und größerem Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Wahrnehmung.
Und von dem Mut, Entscheidungen zu treffen oder Schritte zu gehen, die vorher vielleicht lange undenkbar erschienen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum so viele Menschen immer wieder zum Breathwork zurückkehren möchten.
Weil sie spüren, dass diese Erfahrung nicht unbedingt mit dem letzten Atemzug der Session endet.
Etwas arbeitet weiter.
Etwas bewegt sich.
Etwas verändert den Blick.
Vielleicht ist Breathwork ein bisschen wie Stoßlüften für die Seele.
Fenster auf.
Die Energie darf sich bewegen.
Der innere Nebel darf sich lichten.
Was sich angestaut hat, bekommt Raum.
Und plötzlich können wir wieder freier atmen.
Manchmal fühlt es sich wie ein innerer Reset an.
Nicht so, als würde alles, was war, einfach verschwinden. Sondern vielmehr wie eine Rückkehr zu unserer eigenen Basis.
Zu dem Ort in uns, an dem wir uns selbst wieder deutlicher wahrnehmen können – unter all den Erwartungen, Rollen, Aufgaben, Sorgen und dem alltäglichen Funktionieren.
Denn im Breathwork darf etwas sichtbar werden.
Eine Emotion.
Eine Erinnerung.
Eine Angst.
Ein altes Thema.
Eine Sehnsucht.
Oder vielleicht auch eine Wahrheit über uns selbst, die wir schon lange kennen, aber bisher nicht hören wollten.
Wir müssen dabei nichts erzwingen.
Der Atem darf führen.
Die Energie darf sich bewegen.
Und wir dürfen lernen, unserem Körper wieder mehr zu vertrauen.
Vielleicht liegt darin eine der tiefsten Erfahrungen dieser Arbeit: zu spüren, dass wir nicht immer alles mit dem Kopf lösen müssen.
Dass unser Körper erinnert.
Dass unser Körper kommuniziert.
Und dass in uns manchmal längst eine Richtung spürbar ist, bevor unser Verstand bereit ist, ihr zu folgen.
Was Menschen aus einer Breathwork-Reise mitnehmen, ist ganz unterschiedlich.
Manche fühlen sich leichter.
Andere kraftvoller.
Manche spüren eine tiefe Ruhe, die sie lange vermisst haben.
Andere nehmen einen Gedanken, ein inneres Bild, eine Erkenntnis oder einen neuen Impuls mit in ihr Leben.
Und manche beginnen, sich selbst auf eine neue Weise zu verstehen.
Warum reagiere ich so, wie ich reagiere?
Was brauche ich wirklich?
Wo halte ich mich zurück?
Was gehört tatsächlich zu mir – und was trage ich vielleicht schon lange mit mir, obwohl es mir gar nicht mehr entspricht?
Aus diesem tieferen Verständnis kann etwas sehr Kraftvolles entstehen.
Der Mut, dem eigenen Weg wieder mehr zu vertrauen.
Authentischer zu leben.
Eine Grenze zu setzen.
Eine Entscheidung zu treffen.
Sich selbst ernster zu nehmen.
Oder einer leisen inneren Stimme endlich zuzuhören, die vielleicht schon lange sagt:
Da wartet noch etwas auf dich.
Für manche Menschen öffnet Breathwork darüber hinaus einen spirituellen Erfahrungsraum.
Sie berichten von einem tiefen Gefühl der Verbundenheit, von inneren Bildern, Erkenntnissen und Erfahrungen, die sie persönlich mit ihrem Lebensweg, ihrer Seele, familiären und transgenerationalen Themen oder auch früheren Leben in Verbindung bringen.
Diese Erfahrungen sind individuell. Jeder Mensch darf selbst entscheiden, wie er das Erlebte für sich versteht und welche Bedeutung es für den eigenen Weg bekommt.
Denn vielleicht geht es beim Breathwork am Ende gar nicht darum, ein anderer Mensch zu werden.
Vielleicht geht es darum, Schicht für Schicht wieder freizulegen, wer wir unter all dem Funktionieren, den Erwartungen, den Ängsten und den Geschichten über uns selbst eigentlich sind.
Und dann den Mut zu entwickeln, diesem Menschen wieder zu vertrauen.
Uns selbst.
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